Nika Breithaupt
song for tristesse

Bild-Klang-Installation mit zwei Diaprojektoren
5'55min loop






Ansicht Ausstellung 'watch the peep', POW Galerie Hamburg



Die Raumarbeit besteht aus zwei sich gegenüberliegenden Projektionensflächen, mit wechselnden Dias. Die Aufnahmen zeigen Ausblicke aus dem Zugfenster.
Die Bilder werden zum einen auf die Wand projiziert und zum anderen auf das Schaufensterglas gegenüber. Die eingesetzte Milchglasfolie fungiert dort als Rückprofolie und ermöglicht es so, die Projektion auch von aussen zu sehen.
Gleichzeitig ist eine raumübergreifende Klangcollage zu hören, bestehend aus bearbeiteten Klangfetzen von Aufnahmen während vieler verschiedener Zugfahrten und anderen Feldaufzeichnungen aus dem Alltag.
Ein weiteres Element der Klangkomposition sind die 'Klick'geräusche des Diaprojektors. Über ein computergesteuertes Programm werden die Projektoren durch eine von mir geschriebene Choreographie bewegt und „erklingen“ somit in einem ganz eigenen Rhythmus. Die Geräusche der Projektoren und das Klangstück (aus zwei sich gegenüberliegenden Lautsprechern kommend) ergeben dabei die gesamte Soundebene für diese Arbeit.

Der Zug war für mich schon immer ein besonderes Fortbewegungsmittel.
Reist man alleine, verspricht das Zugfahren im Gegensatz zur Autofahrt meist eine größere Distanz zur Aussenwelt und weniger Intimität. Pendelt man zwischen zwei Städten über längere Zeit trifft man zwar vielleicht wiederholt auf andere Pendler und es stellt sich eine gewisse anonyme Verbundenheit ein. Jedoch sieht man die meisten Alleinreisenden in ganz eigenen Filmen verwickelt und von den umgebenden Mitreisenden wenig Notiz nehmend. Das geschäftige Gemurmel, das Geschwätz zwei Sitze weiter oder die seltene Stille im Großabteil neben den eingängigen Zuggeräuschen bilden eine Klangkulisse, die man bei jeder Fahrt anders wahrnimmt. Einmal störend oder anstrengend, ein anderes Mal einlullend. Während die Landschaft in gleichmäßiger Geschwindigkeit vorbeirauscht und erst beim nächsten Halt wieder zur Momentaufnahme wird.
Die scheinbar „langweiligen“ und immer wiederkehrenden Bilder während den Reisen im Alltag bleiben meist nie bewußt in Erinnerung. Hält man sie fotografisch fest, werden sie eingefroren und zu Unorten, zu Orten dazwischen. Die verwischte Baumlandschaft, die Straße mit der vergreisten Plakatwand, die glänzenden Nebengleise nach dem Regen... zwischen Ulm und Augsburg oder doch zwischen Tostedt und Scheesel... nicht „einortbar“. Die Ausblicke,
meist grau und träge. Abgeblättert und verhangen. Trostlos und eintönig.
Die Bilder strahlen oftmals eine traurig-poetische Häßlichkeit aus. In all ihrer tristen und langweiligen Schönheit.
Der Klang ist gleichzeitig Geräusch und Musik.

Für mich ist die Soundcollage zu „song for tristesse“ eine ganz persönlich verarbeitete klangliche Wahrnehmung, welche sich jedoch während dem Arrangieren zum Teil sehr stark von den real aufgezeichneten und erlebten Geräuschen distanziert.
Die Klänge der Aussenwelt werden mit dem eigenen auralen Leben in Berührung gebracht und miteinander vermengt. Deshalb war es mir auch wichtig Geräusche aus meinem Alltag miteinzubauen, die sich aber durch das Editieren kaum noch ihren Ursprungsquellen zuordnen lassen.